Single Börse Kapitel 6









Wintertage

Der Winter war wieder da.
Über Nacht hatte es ca. 30 cm Neuschnee gegeben.
Die Strasse war nicht mehr zu erkennen.
Die Felder rings um das Haus lagen alle unter einer
geschlossenen Schneedecke.
Irgendwie schön.

Caro kennt Schnee schon, sie findet es toll, den Flocken
hinterher zu jagen und nach ihnen zu schnappen.
Ich finde es nicht so toll, ich muss schließlich gleich noch mit
dem Auto zur Arbeit.
Für den Nachmittag habe ich mir fest vorgenommen, endlich
die E Mail zu schreiben. Ich muss, sonst ist sie weg....

Aber jetzt habe ich erst einmal das Problem heile zur Firma zu
kommen.
Hoftür auf, Rollade bis auf einen Spalt zu, damit Caro auf den
Hof kommt und ab ins Auto.
Es hat nicht nur geschneit sondern scheinbar auch kräftig
gefroren.
Ich habe erhebliche Mühe die Schneemassen vom Auto zu
schaffen.
Liegt es am Schnee, der die Geräusche dämpft oder warum ist
es heute morgen so ruhig ?
Die Strasse vorm Haus ist normalerweise gerade um diese
Uhrzeit, wenn die Menschen ins nahe gelegene Industriegebiet
wollen, recht lebhaft befahren.
Heute morgen aber herrschte fast Totenstille.

Rein ins Auto und ab.
Ab dauert heut morgen mal wieder ein wenig länger.
Ich muss dringend dran denken, wenn es das Wetter mal
zulässt, den Anlasser zu wechseln.
Nach 8 Versuchen klappt es dann doch.

Als ich über die Bergkuppe komme und die Strasse ins Tal
(wir wohnen ca. 120 Meter erhöht auf einem kleinen
Bergchen) einsehen kann, sehe ich die Ursache für die
morgendliche Ruhe.
Vom Anfang der Steigung bis ca. zur Hälfte steht oder liegt ein
Lkw neben dem nächsten.
Dazwischen stecken Autos auf der Strasse und in den Feldern,
die scheinbar versucht haben irgendwie um die
steckengebliebenen oder umgefallenen LKWs
herumzukommen.
Kein durchkommen.
Chaos pur.
Mit viel Mühe gelingt es mir, den Wagen noch zu drehen und
über einen Umweg zur Arbeit zu kommen.
Nach über einer Stunde habe ich es dann auch geschafft, eine
Strecke für die ich im Normalfall keine 10 Minuten benötige.

Im Laufe des Tages entspannt sich die Situation, es beginnt zu
tauen.
Gott sei Dank kein Problem wieder nach Hause zu kommen.

Vor der Haustür wartet schon meine Nachbarin auf mich.
Unterm Arm die neusten Produktinformationen der großen
Versandhäuser.

Klatsch.
Ohne Kommentar dreht sie sich um und geht.
Ich hebe die Kataloge auf und schließe die Haustür auf.
Caro empfängt mich schwanzwedelnd mit Salto.
Gott sei Dank. Seelenleben wieder OK.









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